Gold ist nicht rosarot
Im Schmutz noch ein Goldkörnchen finden. Das ist keine rosa Brille, das ist Gutes (wieder) sehen wollen. Und wenn Du Gold gefunden hast, dann poliere es auf Hochglanz.
Wir sind von vielen Klagen umgeben. Ich weiß nicht warum. Jedoch begegne ich vielen Menschen, deren Sorgen scheinbar das Wichtigste im Tagesablauf sind. Ob Krankheiten, Unglücksfälle oder das kleinere Auto. Und wenn es bei einem Selbst grad nichts gibt, dann ist es die Umwelt, die Jugend, die Alten, die Politik.
Pessimismus als Selbstschutz
Schon bemerkt? Es ist immer jemand Anderes. Oder ein Umstand von außen, der sich grad nicht durch eigenes Verhalten ändern lässt. Ich verstehe das. Es ist angenehm für das Selbstwertgefühl, wenn man nicht für die eigene Situation verantwortlich ist.
Leider macht mich diese Sichtweise oft traurig. Diese Menschen machen sich klein und hilflos. Sie rauben sich die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Ich respektiere, wenn jemand nicht meine Meinung teilen möchte. Bestimmt empfindet der oder die Betroffene tatsächlich so.
Ich persönlich glaube nicht, das sich nichts ändern lässt. Ich kann bei mir selbst beginnen.
Es geht auch anders
Tatsächlich hat bekanntlich alles zwei Seiten. Oft sogar noch mehr. Alles ist für irgend jemanden negativ und für andere eher von Vorteil. Welche positive Seite könnten also meine eigenen Ärgernisse haben?
Ich frage mich schon, seit ich denken kann, wo es etwas Positives geben könnte. Oder bildlich gesprochen: Auch wenn überall nur Schlamm ist, so könnte darin ein Goldkörnchen versteckt sein. Und normalerweise finde ich auch eines.
Ein wichtiges Missverständnis erlebe ich ebenfalls häufig. Viele Menschen lehnen meine „Goldkörnchen“ vehement ab. Das sei zu naiv, zu optimistisch, zu viel rosarote Brille. Der erfahrene Mensch müsse hinter die Fassade blicken. Der kluge Mensch findet das Haar in der Suppe und er klärt seine Mitmenschen auf, wie unwissend diese doch sind.
Da hat jemand leider nicht zugehört
Erstens wäre es erfrischend, wenn die mit weisem Ernst vorgetragene Kritik auch die eigene Haltung prüfen würde. Die meisten Sachverhalte der Welt sind kompliziert. Und sie sind größer als es nach dem ersten Zeitungsartikel aussieht.
Es könnte sich lohnen, zu einem aktuellen Thema mal eine Woche lang alles zu suchen, was es an Infos und Standpunkten gibt. Ja, genau wie in der Schule mal ein Referat vorbereiten. Die Chancen stehen gut, dass lebhafte Schlechtredner etwas vorsichtiger mit der Schwarz-Weiß-Kritik werden.
Pessimismus ist erlaubt
Was heißt das für mich? Ich will erstens Pessimisten nicht verändern. Ich muss nur mich selbst nicht verunsichern lassen.
Zweitens geht es mir nicht darum, sich solange etwas vorzulügen, bis man die eigenen Lügen glaubt. Selbst wenn es dadurch kurzfristig leichter würde, so käme die Realität nachher umso schmerzhafter.
Stattdessen geht es darum, das real existierende Positive (wieder) sehen zu können. Die eigene Sicht wieder frei zu kriegen. Das Schlechte ist zwar immer noch da und soll auch nicht versteckt werden. Aber es hat weniger Bedeutung.
Gutes wieder sehen können
Und wenn ich dann ein Goldkörnchen gefunden habe, dann könnte ich mich noch ein oder zwei Minuten damit beschäftigen. Dann merke ich vielleicht, dass es noch etwas mehr gibt, das gar nicht so schlecht ist. Oder wofür ich sogar dankbar sein könnte.
Das kann eine Menge sehr guter Gefühle auslösen. Vielleicht nur kleine. Aber es tut dennoch gut.
Und das meine ich, wenn ich Goldkörnchen „auf Glanz poliere“. Das Gold wird nicht größer oder besser. Aber es existiert und ich kann es durch den Glanz jetzt noch besser sehen.
Die Situation muss sich nicht sofort ändern. Doch meine Sicht darauf kann Hoffnung und Kraft schenken. Selbst für schlechte Tage. Selbst wenn einem nichts mehr einfällt, dann hat der Tag zumindest ein Ende und zu Hause ist Ruhe. So haben selbst schlechte Tage noch etwas Schönes.
Alles Gute,
Nils
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